Der Initiator zur Gründung des Frauenchores Harmonie Wetter war der damalige Vorsitzende des Männergesangsvereins ,,Eintracht-Harmonie Oberwengern“, Heinrich Böings. Er erkundigte sich bei den Ehefrauen der Sänger, ob Interesse an der Gründung eines Damenchores bestünde. 18 Frauen erklärten sich bereit mitzumachen und warben sogleich in ihrem Umfeld weitere Sängerinnen an. So konnte am 11.März 1951 der Frauenchor „Eintracht-Harmonie Oberwengern“ mit 35 Sängerinnen gegründet werden.
Musikdirektor Karl Hollmann war der erste Chorleiter des Chores, nach kurzer Zeit übernahm sein Sohn Carl-Dieter Hollmann die Leitung und formte den Chor durch intensive Probenarbeit und großes Engagement zu einem leistungsstarken Klangkörper. Das erste Lied - die Noten wurden gestiftet vom Männerchor – war Silchers „Süß Liebe liebt den Mai“. Dieses Stück wurde vom inzwischen auf 40 Sängerinnen angewachsenen Chor im Oktober 1951 in einem gemeinsamen Konzert mit dem Männerchor aufgeführt.
Im Laufe der Jahre folgten viele Einladungen zu Konzerten und Festen benachbarter Chöre. Der Chor setzte sich bei solchen Anlässen dafür ein, das deutsche Liedgut zu pflegen und kulturelle Werte nachhaltig zu fördern.
Bereits zum 5-jährigen Bestehen des Chores konnte die damalige Vorsitzende Elfriede Kleinevoß den amerikanischen Bassisten Kenneth Spencer für einen Solopart verpflichten. Der Sänger feierte in den 1940-Jahren große Erfolge am Broadway. Es wurde ein großes Erlebnis in der vollbesetzten Turnhalle.
1962 beteiligte sich der Chor erstmals am Sängerbundfest in Essen. Mit der Chorgemeinschaft Hollmann kamen „Die Gesänge der Zeit“, ein modernes Oratorium von Franz Ruthenfranz zur Aufführung.
Nach elf Jahren gab Gertrud Winkler den Vorsitz ab und Elli Hollmann, die Ehefrau des Chorleiters Carl-Dieter Hollmann, übernahm den Vorsitz und leitete die organisatorischen Geschicke des Chores.
Die folgenden Jahre standen im Zeichen großer Konzerte mit berühmten Solisten, u.a. mit der Sopranistin Virginia Town, den Kammersängern Hermann Prey und Karl Ridderbusch, den Bassisten Gunter Emmerlich sowie Iwan Rebroff. Junge aufstrebende Künstler wie der Bariton Alexander Marco-Burmester und der Tenor Christoph Strehl gastierten bei uns in der Elbschehalle. Diese Halle wurde für viele Jahre der Veranstaltungsort unserer Konzerte.
Überhaupt wurde der Chor immer dann hinzugezogen, wenn musikalische Darbietungen auf besonders hohem Niveau gefragt waren. So auch im Jahre 1994 zum 3. Stadtfest beim Gemeinschaftskonzert Wetteraner Chöre: Den glanzvollen Schlussteil gestaltete der Frauenchor zusammen mit dem „Westfälischen Sinfonieorchester“. Mit Werken von Edvard Grieg und vor allem von Guiseppe Verdi verwandelte sich die Sporthalle beinahe in ein Opernhaus.
Im Dezember 1994 konnte der Chor ein Konzert mit Starsolisten der Mailänder Scala und der Arena di Verona aufbieten. Das Konzert fand am 18.12. in der Aula des Geschwister-Scholl Gymnasiums statt. Für Opernfreunde ein wahrer Genuss.
Nach über 50-jähriger intensiver Chorarbeit verstarb plötzlich der geschätzte und verdiente Chorleiter Carl- Dieter Hollmann. Er hatte den Chor in den Jahren seines Wirkens zu einem bedeutenden Klangkörper geformt. Von 2002 bis 2006 wurde der Chor von Geronti Cernyesev und Nina Aristowa geleitet.
2006 konnten wir einen Musikdirektor FDB, den aus Funk und Fernsehen bekannten Tenor Stefan Lex als Chorleiter gewinnen. Durch frischen Elan startete der Chor in eine neue Ära. Mit seinem neuen Chorleiter entwickelte sich der Chor zu einer starken musikalischen Gemeinschaft und erreichte ein neues künstlerisches Niveau.
Mit großem Können und viel Gespür für die Sängerinnen gelang es Stefan Lex, eine besondere Symbiose zwischen Tradition und moderner Chorliteratur zu schaffen. Mit neuen Workshops, persönlicher Ansprache und der Eigenschaft, nachhaltig immer wieder das Ensemble zu bewerben, schaffte es Stefan Lex den Chor auf zeitweise 80 Sängerinnen zu erweitern.
Mit der neuen Vorsitzenden Erika Appel, die dem Chor bereits seit 1956 und damit seit 70 (!!) Jahren angehört, stärkte sich das Vereinsleben, und die Gemeinschaft zwischen langjährigen und neuen Sängerinnen wurde einfühlsam geprägt. Eine Gemeinschaft, die den Frauenchor seit Jahrzehnten ausmacht.
In den folgenden Jahren führten die Bekanntheit und die Erfahrung von Stefan Lex dazu, dass mehrere gemeinsame Konzerte mit befreundeten Männerchören durchgeführt werden konnten: Mit der „Lyra“ in Witten im Saalbau; mit der „Heiderose“ in der Stadthalle in Hagen; mit dem „Der Chor - Vokalensemble Stefan Lex“ an diversen Orten. Immer wurden alle Konzerte begleitet von der Pianistin Sigrid Althoff, die das Programm maßgeblich veredelte.
Unsere Konzerte in der Zeit von 2007-2015 fanden in der Elbschehalle in Wengern und das Weihnachtskonzert in der Dorfkirche Wengern statt. Dort bereicherten Solistinnen des Chores, namentlich Angela Hölscher, Katrin Görlas, Sabine Hubert, Laura Violetta Lex mit ihren Soloauftritten die Konzerte. Das Ensemble Pomp-A-Dur und Alexandra Althoff am Cello erfreuten ebenfalls das Publikum.
Als neue Vorsitzende wurde 2014 Agaath Drüber gewählt, die mit ihrem Engagement dem Chor ein tieferes Gemeinschaftsgefühl verschaffte, unter anderem durch Aktivitäten in der probenfreien Zeit. Als Beispiele seien eine Chorreise nach Edenkoben mit Konzert in der Sonntagsmesse genannt; zahlreiche gemeinsame Ausflüge in den Sommerferien oder jährliche Weihnachtsfeiern.
Die Konzerte erreichten inzwischen ein immer größeres Publikum,
sodass wir unser Weihnachtskonzert 2015 von der Dorfkirche Wengern in die ev. Lutherkirche Wetter verlegen mussten. Seitdem wurde es Tradition, unser Weihnachtskonzert am Samstag vor dem ersten Advent dort zu veranstalten.
Auf Initiative von Sigrid Althoff wurde zur Erweiterung unseres Chores ein kleines Ensemble mit Sängerinnen aus den eigenen Reihen gegründet. Das Ensemble besteht aus 10-12 Sängerinnen und wurde ins Leben gerufen, um das Repertoire des Chores zu ergänzen und auch noch weitere Literatur aufzuführen. Seit seiner Gründung ist das Ensemble ein fester Bestandteil unserer Konzerte. Ebenso sind es die Auftritte von Ronja Nickel als Solistin und später mit Ines Rempel im Duett, sowie die Auftritte von Stefan Lex als Tenor und der Sopranistin Christiane Linke, die das Publikum verzaubern.
2020, Coronajahr: Wie alle Menschen und besonders Ensembles und Vereine traf uns dieses Virus hart. Keine Proben, keine Gemeinschaft, nichts war mehr möglich für mehr als ein Jahr. Erst nach langer Zeit konnten unter strengen Auflagen mit Masken und Abstand die Proben wieder beginnen. Eine sehr schwierige Zeit - besonderer Dank gilt dem Vorstand, der diese außergewöhnliche Situation umsichtig gemeistert hat.
Im Jahr 2022 teilte uns Stefan Lex mit, die Chorleitung niederlegen zu wollen. Bei der Suche nach einer Nachfolge brachte er die uns bereits bekannte Sopranistin Christiane Linke ins Spiel, die auch schon Stimmbildungs-Workshops mit uns durchgeführt hatte.
Das Sommerkonzert 2022 war unser letztes Konzert mit Stefan Lex. Mit langanhaltendem Applaus, verbunden mit dem Dank für seine gute Arbeit, verabschiedeten sich der Chor und das Publikum von ihm und auch von Sigrid Althoff.
Im Juni 2022 startete die erste Probe mit der neuen Chorleiterin Christiane Linke. Gemeinsam gestaltete sie die Proben mit ihrem Mann, dem Pianisten und Kapellmeister Witolf Werner, der uns musikalisch am Klavier begleitete. Die großen Fußstapfen ihrer Vorgänger meisterte sie mit bemerkenswerter Leichtigkeit, jugendlichem Charme und temperamentvoller Ausstrahlung.
Seit dem ersten Konzert in der Lutherkirche im November 2022 liegen Christiane Linke die Weiterentwicklung des Chores mit modernem Liedgut und auch fremdsprachigen Stücken, und dem Ensemble mit neuen Ideen besonders am Herzen. Mit großem Engagement macht sie den Chor fit für die Zukunft.
Auch die Konzerte haben sich verändert und modernisiert: ob begleitet von einer Combo mit Schlagzeug und Instrumentalsolisten oder grandiosem Orgelspiel von Witolf Werner oder einer überraschenden Form des Auftritts vom Chor – vielfältige Ideen werden verwirklicht, um das Publikum zu begeistern.
Zum Weihnachtskonzert 2024 hatte der Vorstand (neue Vorsitzende: Martina Lange) den Vorschlag, sich an der Spendenaktion des WDR-Weihnachtswunders zu beteiligen. Die Bitte an das Publikum, diese Aktion mit einer Spende am Ende des Konzertes zu unterstützen, brachte die überwältigende Summe von über 1.200 € zusammen, die am 16.12 persönlich in Paderborn an die Moderatorin Sabine Heinrich übergeben werden konnte.
Zu den beiden regulären Konzerten im Laufe des Jahres kamen Auftritte beim Tag des Liedes im Mai in Wengern dazu, sowie 2025 zum ersten Mal ein Gastspiel beim Seefest Wetter und ein Auftritt bei „Gospel and more“ im Geschwister-Scholl Gymnasium.
Anlässlich seines 75-jährigen Bestehen im Jahre 2026 lädt der Chor am 20. Juni zu einem festlichen Jubiläumskonzert in die Lutherkirche Wetter ein. Dieses Jubiläum nimmt der WDR zum Anlass, eine ausführliche Dokumentation zu erstellen und über den Chor auch in der Lokalzeit zu berichten.
Dazu gibt es eine weitere Neuerung, die bereits seit dem vergangenen Jahr großen Anklang findet: Das Sommerkonzert wird in zwei Teile gegliedert, mit einer Pause dazwischen. Während der Pause haben die Konzertbesucher Gelegenheit, Erfrischungen zu erwerben, einen Sonnenstrahl zu erhaschen und die gemeinschaftliche Atmosphäre zu genießen.
Alles verändert sich: Vertraute Stimmen verabschieden sich nach vielen gemeinsamen Jahren, neue Sängerinnen kommen hinzu und bringen frische Klangfarben mit. So wandelt sich der Chor weiter - getragen von Erinnerungen, Gemeinschaft und der Freude an Musik. Wie auch immer die Zukunft aussehen wird: Solange Menschen miteinander singen, lebt der Geist des Chores weiter.
Auf die nächsten 75 Jahre!!!
